Unser Selbstverständnis
Warum die Deutsch-Israelische Gesellschaft anders ist als die Deutsch-Italienische-, die Deutsch-Französische Gesellschaft, oder auch die Vereine zur Pflege jüdischer Geschichte und Kultur
Die Satzungen der bilateralen deutschen Gesellschaften gleichen sich. Es geht um Freundschaftsbeziehungen, Kultur, Landeskunde, Pflege der Sprache und Lukullus. Sie sind weitgehend unpolitisch. Anders bei der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG). In § 2 der Satzung wird der Unterschied deutlich. Es geht hier nicht vornehmlich um Pflege der Sprache oder Erweiterung der kulinarischen Erfahrungen, sondern u. a. „um die Förderung internationaler Verbundenheit, der Toleranz und der Verständigung der Völker, insbesondere der Völker im Nahen Osten. … Förderung des friedlichen Ausgleichs der verschiedenen Ethnien in Israel und Deutschland“.
Klar wird hier das Bemühen um die Stabilisierung und Anerkennung, sowie Integration des jungen Staates in seine immer mehr feindlich gesonnene Umgebung. Und so ist die DIG vornehmlich keine Freizeitveranstaltung oder ein Treffen mit Small-Talk-Charakter für Schöngeister. Hier gehört zur Kontemplation zwangsläufig auch Tacheles. Die DIG tritt also deutlich für etwas ein - wie ein echter Freund. Für mehr als nur das Existenzrecht des jüdischen Staates. Warum? Weil es leider immer noch oder schon wieder notwendig ist, gegen Vorurteile anzugehen und aufzuklären. Die DIG mit ihren Aktivitäten und Veranstaltungen versteht sich auch als ein nötiges Korrektiv zur Israel-Berichterstattung eines Großteils der deutschen Medien. Denn, je niedriger die Faktenkenntnis, desto fester die Meinung!
Der Staat Israel kämpft um sein Überleben. Das kann der größte Pessimist weder von Italien noch von Frankreich behaupten. Beide Staaten können es sich leisten, politische Entscheidungen gelassener zu treffen. Israel kann das nicht. Wer zunehmend dämonisiert und mit doppeltem Standard gemessen wird, wem selbst die Existenzberechtigung von Mitgliedern der großen „Völkerfamilie“ namens UNO abgesprochen wird, und wer sehen muss, dass diese das toleriert, der reagiert hektisch, verletzt und gelegentlich irrational. So jemand macht Fehler - und von der DIG wird dann erwartet, dass sie diese dann erläutert, zugibt, rechtfertigt oder verneint. Das soll nicht heißen, dass die DIG immer mit der Politik israelischer Regierungen einer Meinung ist. Aber kein Deutscher käme auf die Idee, einem in Deutschland lebenden Italiener oder Franzosen eine politische Handlung oder eine Unterlassung seines Regierungschefs zum Vorwurf zu machen.
Die DIG mit ihrer Satzung ist eine Zweckgemeinschaft, deren einziges Ziel darin bestehen muss, den Zweck baldmöglichst ändern zu können. Überzugehen in eine Gesellschaft, die es sich – wenn die politische Lage es zulässt - leisten kann Kunst, Musik, Literatur, Volks- und Landeskunde, sowie die Erlernung der hebräischen Sprache oder die Rezepte für die Zubereitung von Falafel in ihren Mittelpunkt zu stellen. Sie ist auch in erster Linie keine Anlaufstelle für die in Deutschland lebenden Juden. Dafür stehen die Jüdischen Gemeinden. Hier und anderswo lebten sie auch schon tausende Jahre ohne einen eigenen Staat bis zu dem Tag, an dem die Existenz eines solchen eigenen Gemeinwesens, für das sich die DIG einsetzt, ihr Überleben hätte retten können.
Die Vereine zur Pflege der jüdischen Kultur und Geschichte tun Lobenswertes. Doch benötigen sie für ihre Beschäftigung keinen Staat Israel. Ihre Orientierung sind die Vergangenheit, Gedenktage und vielleicht das Anbringen von sogenannten Stolpersteinen, die in manchen Städten auf dem Gehweg vor ehemaligen Wohnungen ermordeter Juden platziert werden und heftig umstritten sind. Und sollte es keinen Staat Israel mehr geben, sie würden nicht nur weiter existieren, sondern hätten ein Themenfeld mehr. Die DIG dagegen hätte sich dann überholt und wäre aufzulösen.
Um zu verhindern, dass Israel zum zweiten Mal Geschichte wird, benötigen wir die DIG mit zeitgemäßer Satzung, die Arbeitsgemeinschaften und ihre Mitglieder.
Heribert Schmitz (5. 7. 2010)

